Wolfgang Bretschneider verstorben

Der Allgemeine Cäcilien-Verband für Deutschland (ACV) trauert um seinen Ehrenpräsidenten: Am Freitag, 12. März 2021, ist Monsignore Professor Dr. Wolfgang Bretschneider im Alter von 79 Jahren in Bonn verstorben. Der Priester des Erzbistums Köln prägte den ACV viele Jahrzehnte und war von 1989 bis 2018 Präsident des Kirchenmusikverbands.

Marius Schwemmer, Nachfolger von Bretschneider als ACV-Präsident, würdigte den Verstorbenen als einen „österlichen Menschen": „Wolfgang Bretschneider war über Jahrzehnte das freundliche Gesicht der katholischen Kirchenmusik in Deutschland und hat ihr in Kirche, Politik und Gesellschaft wohlwollendes Gehör verschafft. Sein Verdienst ist es, den ACV zu einem echten Dachverband der Kirchenmusik mit all ihren verschiedenen Strömungen gemacht zu haben. Als Priester und Christ war Wolfgang Bretschneider von der österlichen Botschaft der Auferstehung zutiefst überzeugt – so beendete er viele seiner Mails mit den Worten ,Bleib österlich gestimmt'. Für uns als ACV bleibt seine Abschiedsrede als ACV-Präsident von 2018 die Zukunftsagenda. Damals rief er unter anderem dazu auf, Kirchenmusik ,nicht zur Ideologie zu machen', sondern sie ,in unsere Zeit einzupflanzen'."

Das Requiem für Wolfgang Bretschneider wurde am Mittwoch, 17. März, in der Bonner St.-Remigius-Kirche durch den Kölner Erzbischof, Rainer Maria Kardinal Woelki, gefeiert. Aufgrund der Corona-Auflagen war eine Teilnahme nur nach ergangener Einladung und erfolgter Anmeldung möglich. Der Gottesdienst wurde über das Internet übertragen; der ACV war mit dem Präsidenten, dem 1. Vizepräsidenten und dem Geistlichen Beirat vor Ort vertreten. Anschließend erfolgte die Beisetzung in der Gruft der Münsterpfarrer und Stadtdechanten im Kreuzgang des Bonner Münsters.
Das Katholische Stadtdekanat Bonn hat eine Gedenkseite eingerichtet: https://www.kath-bonn.de/aktuelles/trauer-um-msgr.-prof.-dr.-bretschneider/.

Wolfgang Bretschneider wurde am 7. August 1941 in Dortmund geboren. 1947 kam er nach Bonn-Bad Godesberg. Seit seinem siebten Lebensjahr spielte er Klavier, und als 13-Jähriger erhielt er ersten Orgelunterricht von Hubert Brings (1909–1992), dem Organisten des Bonner Münsters. 1961 legte Bretschneider sein Abitur am Jesuitenkolleg Bonn ab und begann mit dem Philosophie- und Theologiestudium in Bonn, München sowie am Erzbischöflichen Priesterseminar in Köln. Zeitgleich studierte er in Bonn bzw. München Musikwissenschaft und katholische Kirchenmusik.

Am 27. Januar 1967 empfing er durch den damaligen Erzbischof Josef Kardinal Frings (1887–1978) im Kölner Dom die Priesterweihe und war anschließend bis 1969 als Kaplan am St.-Quirinus-Münster in Neuss tätig. 1969 wurde er als Repetent in das Erzbischöfliche Theologenkonvikt Collegium Albertinum in Bonn berufen (bis 1997), 1977 erfolgte die Ernennung zum Dozenten für Liturgie und Kirchenmusik am Priesterseminar in Köln (bis 2011). Zwei Jahre später promovierte er an der Universität Bonn mit einer hymnologischen Arbeit zum Kirchenlied in der Aufklärungszeit.

1984/1987 bis 2007 lehrte Bretschneider als Professor für Liturgik und Kirchenmusikgeschichte an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf, ab 1994 auch an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. 1985 erfolgte seine Wahl in den Vorstand der Werkgemeinschaft Musik, für die er bereits vor dem Mauerfall Begegnungen und Fortbildungen mit Kirchenmusikern in der damaligen DDR organisiert hatte. Seit 1997 war Wolfgang Bretschneider Subsidiar am Bonner Münster, wo er auch als zweiter Organist und Leiter der 1985 von ihm gegründeten Schola tätig war. 2003 wurde er zum Honorarprofessor an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn ernannt. Als Organist war er bei zahlreichen Rundfunk- und Fernsehübertragungen beteiligt und konzertierte im In- und Ausland. Sein Schwerpunkt hierbei war die französische Orgelmusik des 19. und 20. Jahrhunderts. Als Herausgeber von Orgelnoten hatte er u. a. das gesamte Orgelwerk von Josef Gabriel Rheinberger veröffentlicht.

Seit 1984 war Bretschneider als Berater der Liturgie- und Musikkommission der Deutschen Bischofskonferenz tätig, zuletzt unter anderem in der Kommission zur Erarbeitung des neuen Gotteslobs. Außerdem war er Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und in der CEDAME, der Europäischen Konferenz der katholischen Kirchenmusikverbände.

Für sein Engagement erhielt er zahlreiche Ehrungen, so ernannte ihn 1982 Papst Johannes Paul II. zum päpstlichen Hauskaplan, 2003 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz und im November 2009 mit der Orlando di Lasso-Medaille die höchste Auszeichnung des ACV verliehen.

Als Nachfolger von Udo Hildenbrand war Wolfgang Bretschneider maßgeblich an der Neukonstitution des ACV für Deutschland beteiligt. Seit 1984 Mitglied des Verbands, war er ab 1989 als kommissarischer Landespräses tätig, wurde jedoch nach der Anerkennung der Verbandsstatuten durch die Deutsche Bischofskonferenz im Frühjahr 1991 am 10. November desselben Jahres zum Präsidenten gewählt. Sein Bestreben war es, Brücken zwischen Tradition und Erneuerung, Wissenschaft und Praxis, Realität und visionären Vorstellungen zu bauen. Dank seiner zahlreichen Kontakte gelang es ihm immer wieder, dem ACV innerhalb der kirchlichen Strukturen, aber auch über deren Grenzen hinaus Gehör zu verschaffen. Im Rahmen der Jubiläumsfeiern zum 150-jährigen Bestehen des ACV im September 2018 hatte Bretschneider das Präsidentenamt an seinen Nachfolger Marius Schwemmer übergeben. Der Allgemeine Cäcilien-Verband ernannte ihn gleichzeitig zum Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit.

am (ACV)

Bild © ACV

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