Verleihung der Orlando-di-Lasso-Medaille an Alois Ickstadt

In einer Feierstunde im Frankfurter »Haus der Chöre« wurde am Cäcilientag, dem 22. November 2015, Herrn Prof. Alois Ickstadt die höchste Auszeichnung des ACV verliehen. Eingeladen hatte das Bistum Limburg, vertreten durch Diözesankirchenmusikdirektor Andreas Großmann. Umrahmt wurde die Feierstunde durch Chorbeiträge des Figuralchors Frankfurt unter der Leitung von Prof. Martin Lücker. Der Figuralchor Frankfurt war 1966 als Chor am Hessischen Rundfunk von Prof. Ickstadt gegründet und über mehrere Jahrzehnte geleitet worden.

Die Laudatio hielt Monsignore Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider, Präsident des ACV: »Bedingung für jedes künstlerische, Menschen überzeugende Tun bleiben Authentizität, Echtheit, Transparenz, Ehrlichkeit. Darum haben Sie sich bemüht – ein Leben lang. Sakrale Fassade war für Sie der Feind alles Geistigen. Denn sie führt zum Ausverkauf des Wertvollsten, was uns anvertraut ist: der Freiheit. Nicht Libertinage, vielmehr Freiheit in Verantwortung. Wo sie diese Verantwortung nicht eingeht, wird sie zur Gefahr und Plage in einer Entertainer- und Spaßgesellschaft. Zur Gefahr der Manipulation und süßen Plage einer süffisanten Beglückungsindustrie. Musik spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Damit sind wir mit hineingenommen in die Verantwortung für die sog. abendländischen Werte, die unsere Kultur zutiefst geprägt haben. Uns sind sie anvertraut, und wir entscheiden mit darüber, ob wir sie ins Museum entsorgen oder aus ihnen – in den je neuen Herausforderungen und Konfrontationen – frische Kräfte und staunende Visionen schöpfen. Wir stehen heute vor Herausforderungen, wie wir dies vor fünf Jahren für kaum möglich gehalten haben. Es geht nicht um Details; unsere gesamte Existenz mit ihrem über Jahrhunderte gewachsenen Selbstverständnis steht zur Disposition.« In seinem Wirken als Hochschulprofessor, Musikpädagoge, Dirigent und Chorleiter, als Pianist, Organist und als Komponist hat sich Alois Ickstadt in vorbildlicher Weise immer wieder der geistlichen Musik gewidmet und sakrale Werke in den Mittelpunkt seines Wirkens gestellt. Zeuge der christlichen Botschaft und der Glaubensverkündigung mit und durch Musik zu sein, vornehmlich in der säkularen Öffentlichkeit, in der musikpädagogischen Lehre und nicht zuletzt – über den Eintritt in den Ruhestand hinaus – in seiner ländlich geprägten Heimatpfarrei im Taunus, war für Ickstadt stets Maxime seines Tuns. »Wer heute als Künstler nur seinen Dienst tut, hat den Beruf verfehlt.« Dieses Wort von Peter Schreier könnte auch von Alois Ickstadt gesagt sein. Sein Einsatz an der Schule, der Universität, am Hessischen Rundfunk, ist immer aus einem geistiggeistlichen Boden erwachsen. Äußeres, auf Glanz zielendes Tun wurde mit Verachtung gestraft. Aus kultureller Vergangenheit wächst die kulturelle Zukunft.

Vergangenheit zu verwalten war nicht der Auftrag, vielmehr prophetisch die Zukunft zu gestalten. Mit Beharrlichkeit und innerer Glut, argumentativ scharfem Verstand hat dies Ickstadt an jeweiliger Position gerade im Einsatz für die geistliche Musik in Frankfurt und weit darüber hinaus bezeugt. Zu der geistig-geistlichen Komponente gehörte auch die politische, im Einsatz für die Versöhnung zwischen Polen, Frankreich, Italien und Deutschland – auf der Grundlage des christlichen Glaubens. So gewann Musik eine Dimension dazu, die weit über die Bedeutung als wichtiges Kulturgut hinausgeht und auch die ästhetische Wirklichkeit hinter sich lässt.

Andreas Großmann

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