Bericht von der ACV-Mitgliederversammlung 2015 in Freising

Wann ist’s „schön“?

Dass die Kategorie der Schönheit keine ganz einfache Sache ist, wurde schon bei den Eingangsworten von Markus Magin deutlich. „Was ist ein schöner Gottesdienst? Was ist: Schöne Musik? Reicht es, wenn etwas einfach ,nur schön‘ ist? Oder liegt Schönheit doch nur im Auge des Betrachters?“, fragte der Geistliche Beirat des ACV beim Beginn der Mitgliederversammlung im Freisinger Kardinal Döpfner-Haus. Denn die Versammlung von Montag, 9., bis Dienstag, 10. November 2015, stand unter dem Thema „Schönheit der Liturgie – Schönheit der Seele“.

Und der der erste Referent der Tagung, Dr. Gotthard Fuchs, konstatierte dann auch, dass es „mutig und faszinierend“ sei, dieses Thema in den Mittelpunkt einer Tagung zu stellen.
In seinen „Anmerkungen zur religiösen und ästhetischen Dimension der Wirklichkeit“ blickte der Wiesbadener Theologie in die Geistesgeschichte des Begriffs der Schönheit. So betonte er unter anderem, dass „im Licht des Glaubens“ die Wirklichkeit „sehr gut und sehr schön“ sei, allerdings liege über allem „der Mehltau der Sünde, der Gewalt, der Gier“. In Jesus Christus sei einmalig schon „geglückt“, was überall erst noch gelingen soll: Die „wahre Versöhnung“ als Inbild aller Schönheit sei dem Glaubenden „wirklich endgültig schon da“, wenn auch noch „vor-läufig“. „Christlich begegnet diese noch gebrochene, wirklich strahlende Schönheit nicht zuletzt in der Unscheinbarkeit der geringsten Schwestern und Brüder Jesu, in der Strahlkraft ihrer Existenz und ihrer Lebenspraxis“, sagte Fuchs.

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In einem zweiten Vortrag stellte Pfarrer Dietmar Schmidt unter der Überschrift „Die Ästhetik liturgischen Feierns“ praktische Beispiele aus seiner Gemeinde in Bochum-Wattenscheid vor. Seine These: „Die Schönheit der Liturgie lebt von ihrer ,elementaren‘ Dimension.“ Schmidt kritisierte, dass liturgische Zeichen bisweilen minimalisiert würden. „Das steht ihrer Wirkmacht oft im Weg. Die Liturgie könne nur gewinnen, wenn sie Maß nimmt an der Radikalität der frühen Kirche“, sagte er. Das Feuer der Osternacht müsse ein wirkliches Feuer sein, die Taufe ein wirkliches Eintauschen in Wasser. „Wir dürfen uns nicht wundern, dass niemand mehr unsere Liturgie und unsere Sakramente versteht, wenn vom Wasser nur noch ein Spritzer übrig bleibt, vom Osterfeuer nur ein Flämmchen“, sagte Schmidt.

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VIDEOS zum Vortrag

„Schön“ wurde es dann auch noch am Montagabend bei einer Führung mit Orgelmusik durch den Freisinger Mariendom: Dr. Hans-Christoph Bartscherer wusste spannend und anschaulich über das Gotteshaus zu erzählen; Wolfgang Kiechle, Kirchenmusikdirektor auf dem Freiburger Domberg, bereicherte die Führung an der Albiez-Orgel mit Werken von Dufay, Scheidt, Murschhauser und Bach.

Warum es nur wenige neue Chorkompositionen aus der Feder deutscher Komponisten gibt, war dann Thema eines Vortrags von Professor Richard Mailänder am Dienstagmorgen. Seine Analyse: „Wir haben an den deutschen Hochschulen nur wenige Dozenten, die Komposition von Chormusik lehren. Es gibt nahezu keinen Professor für Komposition in Deutschland, der eine eigene ,Chorbiografie‘ hat.“ Eine Folge sei, dass „die Probleme der Chorkomposition nicht vermittelt werden, da sie zumeist unbekannt sind“, sagte der Kirchenmusikdirektor des Erzbistums Köln in seinem Vortrag „Auf der Suche nach neuer Chormusik“. Und: Die meisten von Chören aufgeführten Komponisten befänden sich nicht unter den deutschen Professoren.

Es gebe aber eine Vielzahl international erfolgreicher Komponisten für Chormusik wie Arvo Pärt, Rihards Dubra, Pawel Lukaszewski, Eriks Esenvalds oder John Rutter, betonte Mailänder. Er stellte in diesem Zusammenhang auch den erfolgreichen, internationalen Kompositionswettbewerb „Musica sacra nova“ für Chor- und Orgelkomposition für junge Komponisten vor. Bei dem Wettbewerb werden bereits seit elf Jahren neue geistliche Kompositionen prämiert. Er hoffe, dass sich aufgrund der international sehr regen Chormusikszene auch in Deutschland etwas ändere und neue Chormusik entstehe, „die menschenfreundlich ist“, sagte Mailänder.

Einige Tonbeispiele:

Pawel Łukaszewski - Nunc dimittis

Pawel Łukaszewski - Ave Maria

Rihards Dubra - Stetit Angelus

Rihards Dubra - Hail, Queen of Heaven

Ēriks Ešenvalds - O Salutaris Hostia

Ēriks Ešenvalds - Northern Lights

Arvo Pärt - Te Deum

Arvo Pärt - Magnificat

Alexander Matschak

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