Initiative "Singen mit Kindern"
Anläßlich seiner Generalversammlung im November 2003 hat der ACV eine Initiative „Singen mit Kindern" beschlossen. Diese Maßnahme soll als thematischer Arbeitsschwerpunkt verdeutlichen, für wie zentral der Dachverband für katholische Kirchenmusik das Singen mit Kindern und Jugendlichen hält - nicht einmal primär zur Gewinnung kirchenmusikalischen Nachwuchses, sondern in erster Linie als Faktor der musischen Bildung und kulturellen Sozialisation Heranwachsender allgemein.
Singen mit Kindern
Eine musikpädagogische und pastorale Initiative für Kirche und Gesellschaft der Zukunft
Warum startet der ACV jetzt diese Initiative in dieser Form?
Hierzu drei Vorbemerkungen:
- Die Chancen und Aufgaben der kirchenmusikalischen Arbeit sind in den letzten Jahren vielfach beschrieben worden. In Zeiten deutlich zurückgehender personeller und finanzieller Ressourcen sind alle Verantwortlichen aufgerufen, ihr bisheriges Engagement zu überprüfen und ggf. Akzente neu zu setzen bzw. zu bewerten. Für den ACV heißt das: Die verbleibenden Spielräume müssen so gestaltet werden, daß sie nicht allein zur Sicherung des kirchenmusikalischen oder chorischen Nachwuchses, sondern vor allem zur sozialen, katechetischen und musischen Prägung von Kindern genutzt werden: Aus dem rein musikalischen Auftrag ist schon lange ein pastoraler geworden, der mittels der Musik erfüllt wird. Es geht zuerst nicht darum, eine Struktur an Chören zu erhalten, sondern darum, Kinder und Jugendliche im Sinne der Glaubensbotschaft und des christlichen Menschenbildes zu prägen. In Zeiten abbröckelnder musikpädagogischer Strukturen bei allgemeinbildenden und Musikschulen ist es also an der Kirche, darüber nachzudenken, wie ihr Verkündigungsauftrag, ihr Auftrag zur Mitgestaltung einer an christlichen Werten orientierten Gesellschaft und ihr kirchenmusikalisches Engagement im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten zusammengefasst und ggf. mit anderen Bemühungen verknüpft werden können. Daß dies gewollt ist, zeigen die 1991 von der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedeten „Leitlinien zur Erneuerung des kirchenmusikalischen Berufsbildes", die die Kirchenmusik deutlich in pädagogische und pastorale Kontexte eingeordnet hat. Daß eine solche Arbeit erfolgversprechend ist, zeigt u. a. die neueste Statistik des Deutschen Musikrates (der sog. "Musikalmanach"), der für das katholische Chorwesen zwischen 1985 und 2002 eine Zunahme um 5000 Chorgruppen und 100.000 Personen ausweist - neben der Verbesserung der statistischen Methoden ist dies auf eine Stabilisierung bzw. auch Steigerung der Aktivitäten vornehmlich im Bereich der Kinder- und Jugendchorgruppen zurückzuführen.
- Die vorliegende Initiative will dazu beitragen, der weitverbreiteten Resignation zu wehren und der Klage über enger werdende Gestaltungsräume positive Akzente entgegenzusetzen: Kluges und zukunftsorientiertes Handeln ist nötig, möglich und erfolgversprechend! So will der ACV seiner Rolle als Dachverband für katholische Kirchenmusik in Deutschland auch dadurch gerecht werden, daß er anderen kirchenmusikalischen Entscheidungs- und Verantwortungsträgern entsprechende Impulse für ihre Arbeit in der Zukunft vermittelt.
- Bewusst wird auf den Charakter eines Memorandums oder eines Grundsatzpapiers verzichtet. Der Weg der Initiative soll immer vom Konkreten ausgehen und auf diesem Wege eine Palette von wiederum möglichst konkreten Angeboten und Chancen aufweisen. Hiermit soll auch verdeutlicht werden, daß es nicht um Rahmenempfehlungen gehen kann, die in allen Diözesen, Ausbildungsstätten und sonstigen Einrichtungen mehr oder weniger einheitlich umzusetzen sind. Wollte man so vorgehen, würden organisatorische und strukturelle Ungleichzeitigkeiten mögliche Konkretionen u. U. eher unmöglich machen.